FuN wird global!
Hier können Sie demnächst die Ergebnisse der Evaluation des Mongolei-Projektes mit FuN lesen. Der vollständige Bericht kann gegen 15,-Euro zuzüglich Versandkosten im praepaed-Büro bestellt werden.
praepaed exportiert das FuN-Programm in die Mongolei!!! | ||
FuN wird möglicherweise ein wichtiger Baustein beim Aufbau eines umfassenderen Beratungssystems in der Mongolei! |
Projektbericht FuN in der Mongolei 2009
1. Ausgangspunkt und Ziele
1.1. Die Vorgeschichte
1.2. Ausgangspunkt und Ziele
2. Kurze Programmbeschreibung
3. Das Projekt: FuN-Qualifizierung in der Mongolei
3.1. Erste Woche: Grundqualifizierung (5 Tage)
3.2. Zweite Woche: Anwerbegespräche in den Kitas
3.3. Dritte Woche: Programmstart mit Praxisbegleitung
4. Ergebnisse
5. Zusammenfassende Bewertung
1. Ausgangspunkt und Ziele des Projekts
1.1. Die Vorgeschichte
Im Auftrag des SES (Senior Experience Service) war im Herbst 2007 Prof. Dr. Ute Hennige von der FH Reutlingen-Ludwigsburg in Ulaanbataar, um herauszufinden, wie der Aufbau eines Beratungssystems für Familien in der Hauptstadt der Mongolei sinnvoll von außen unterstützt werden kann. Eine ihrer Ideen dazu war, in Ulaanbataar ein Familienaktivierungsprogramm zu implementieren.
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland und der Beschäftigung mit hiesigen Familienprogrammen fiel ihre Wahl auf FuN wegen seines handlungs- und erfahrungsorientierten Ansatzes.
In den gemeinsamen Überlegungen mit unserem praepaed-Institut entschieden wir uns, eine erste Überprüfung der Übertragbarkeit von FuN in die Kultur und Lebenswelt mongolischer Familien von einer mongolischen Kollegin während eines Besuchs in Deutschland vorzunehmen zu lassen. Im Mai 2008 begleitete daraufhin Soyolmaa Enkhbat, die in Ulaanbataar zusammen mit Kolleginnen eine Beratungsstelle für Familien aufbaut, praepaed-KollegInnen bei ihrer Arbeit. Sie erlebte eine Woche lang FuN in Theorie und Praxis, indem sie an Qualifizierungsmaßnahmen in den unterschiedlichen Blöcken teilnahm und die praktische Umsetzung des Programms an Supervisionsnachmittagen erlebte.
Nach dieser FuN-Einführung kam sie zu der Einschätzung, dass das FuN-Programm in die Mongolei passen könnte.
Im nächsten Schritt wurde die Projektidee konkretisiert, die Übertragbarkeit mit einem dreiwöchigen Pilotprojekt im Mai/Juni 2009 zu testen. Frau Prof. Dr. Hennige stellte Projektanträge an den SES, an CARE und ihre Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg, um die Finanzierung abzusichern.
1.2. Ausgangspunkt und Ziele
Die Ausgangslage in Ulaanbataar ist kurz skizziert folgende: Das Land befindet sich seit 1991 in einer großen Schwankungen unterliegenden Entwicklung zur Demokratie.
In den pädagogischen Einrichtungen steht die Entwicklung von Beteiligungsformen von Eltern und Elternarbeit allgemein noch ganz am Anfang. Dabei stellen diese Einrichtungen nach unserem Eindruck von außen wichtige Lernorte für die Zielvorstellung „Demokratie lernen!“ dar, denen in der Mongolei große Bedeutung zugeschrieben werden sollte. Aus diesem Grund bestanden die Ziele des Projektes darin zu prüfen, ob die Zielgruppe - Familien in sozialen Randlagen der Gesellschaft, arme Familien, sozial benachteiligte Familien mit niedrigem Bildungsstand - durch dieses Programm angesprochen und erreicht wird und ob es nachhaltig gelingt, diese Familien zur Mitarbeit an der Erziehung der Kinder zu motivieren.
2. Kurze Programmbeschreibung
Für die Auswahl von FuN für das Pilotprojekt in der Mongolei waren zwei besondere Qualitätsmerkmale des Programms entscheidend:
Zum einen erleichtert der handlungs- und erfahrungsorientierte Charakter der Programmgestaltung den Zugang zur Zielgruppe. Da FuN nicht in erster Linie sprachorientiert ist und kognitive Lernprozesse fördert, sondern durch gemeinsames Handeln die gesetzten Ziele erreichen will, eignet sich das Programm für die Arbeit mit bildungsungewohnten Familien in Deutschland wie in der Mongolei. Auch dort sind die Familien in sozialen Randlagen Familien mit keinen bis geringen Schulabschlüssen. Um diese Familien zur Mitarbeit zu motivieren und für Lernentwicklungen zu öffnen, bedarf es dort wie hier neuer Zugangswege. In Deutschland hat FuN bewiesen, dass es diese Zielgruppe erreicht und nachhaltig binden kann.
Das zweite wichtige Qualitätsmerkmal ist die Konstruktion des Programms als Kooperationsmodell: Eine pädagogische Einrichtung, z. B. die Kindertagesstätte, arbeitet in diesem Programm zusammen mit anderen sozialen und familienbezogenen Einrichtungen im Stadtteil. In Deutschland sind dies zusammen mit Familienbildungsstätten oder –beratungsstellen die familienbezogenen Unterstützungsangebote des Jugendamtes wie ASD oder KSD. In Ulaanbataar konnten die MitarbeiterInnen des Jugendamtes, die als Stadtteil-SozialarbeiterInnen in den Wohnquartieren arbeiten, für die Mitarbeit bei FuN gewonnen werden.
3. Das Projekt: FuN-Qualifizierung in der Mongolei
Das Qualifizierungsprojekt war für die Dauer von drei Wochen konzipiert.
3.1. Erste Woche: Grundqualifizierung
In der ersten Woche fand an 5 Tagen mit je 8 Unterrichtsstunden die Grundqualifizierung statt. Ursprünglich war dieser Zeitabschnitt so geplant, dass an den beiden ersten Tagen für eine Gesamtgruppe von ca. 35 Personen (32 Frauen und drei Männer) eine Präsentation des Programms in Theorie und Praxis stattfinden sollte. An den verbleibenden drei Tagen sollte eine vertiefende Qualifizierung für die acht kooperierenden Praxisteams (ca. 24 Personen) angeboten werden, die das Programm in den Einrichtungen durchführen wollten.
Am Ende des zweiten Tages war aber die Motivation in der Gesamtgruppe so angewachsen, dass alle 35 TeilnehmerInnen sich entschieden, auch an der vertiefenden Praxisqualifizierung teilzunehmen.
Trotz der Anstrengungen der ständigen Übersetzungsphasen blieben die Stimmung und die Motivation in dieser Großgruppe während der gesamten Woche sehr engagiert und konstruktiv. Insbesondere die spielerischen Anteile des Programms wurde von den TeilnehmerInnen begeistert aufgenommen.
Am Ende der Woche stand die Planung der Umsetzung des erlernten Programms in den Einrichtungen an. Mit kleinen Rollenspielen zu Anwerbegesprächen mit den Familien endete die Grundqualifizierung.
3.2. Zweite Woche: Anwerbegespräche in den Kitas
In der zweiten Woche begannen acht Teams (7 in Ulanbataar und ein Team auswärts) mit der direkten Umsetzung des Programms und führten die Anwerbegespräche mit den Familien durch. Diese verliefen so erfolgreich, dass in einer Kita das Programm schon in dieser zweiten Projektwoche mit acht Familien starten konnte. Die anderen 6 Teams in Ulanbataar starteten in der dritten Projektwoche.
Der Erfolg der Anwerbegespräche macht deutlich, wie ausgeprägt das Bedürfnis der Familien nach Beteiligung und Mitwirkung in den pädagogischen Einrichtungen und nach Kontakt mit anderen Familien ist. Allen Teams war es trotz des engen Zeitplans gelungen, 8 – 10 Familien für die Teilnahme am Programm zu gewinnen. Das spricht zum einen für die hohe Überzeugungskraft und Motivation der Teams nach der Qualifizierung und zum anderen für das große Interesse von Eltern an Beteiligung an der Kindererziehung in den Kitas.
3.3. Dritte Woche: Programmstart mit Praxisbegleitung
In der dritten Woche fand in den 7 Kitas in Ulanbataar die Praxisbegleitung/Supervision der Startphase statt. Dies bot uns die Möglichkeit, die Teams während dieses wichtigen Zeitpunkts zu beobachten und einen Eindruck davon zu gewinnen, wie sie das Programm umsetzen und wie erfolgreich die Grundqualifizierung war. Zum anderen erhielten wir einen direkten und persönlichen Eindruck von den teilnehmenden Familien, den wir in unsere Einschätzung des Projektverlaufs einbeziehen konnten.
4. Ergebnisse
Selbstverständlich müssen für eine Gesamtbetrachtung der Ergebnisse der weitere Projektverlauf beobachtet und auch die Eindrücke und Bewertungen der teilnehmenden Personenkreise wie TeilnehmerInnen und kooperierende Teams einbezogen werden. Trotzdem können nach dieser Qualifizierungsphase schon einige Teilergebnisse festgehalten werden:
a) Hauptziel des Qualifizierungsprojekts war zu klären, ob das Programm FuN trotz der Sprach- und Kulturunterscheide zwischen Deutschland und der Mongolei übertragbar ist. Diese Frage kann nach der dreiwöchigen Erfahrung eindeutig bejaht werden. Insbesondere bei den „basics“ des Programms - wie Menschenbild, Ressourcenorientierung, handlungs- und erfahrungsorientiertes Konzept, spielerische Methodik - wurden keine wesentlichen Unterschiede zwischen der Situation in Deutschland und in der Mongolei sichtbar.
b) In der dritten Projektwoche wurde deutlich, dass mit FuN die Zielgruppe der Familien auch in der Mongolei erreicht werden kann. In den Randbezirken von Ulanbataar, in denen die meisten der besuchten Kitas lagen, leben viele junge Familien mit Kindern an der Armutsgrenze. Dazu gibt es in den meisten dieser Familien hohe Rollenunsicherheit: Viele Familien haben lange als Nomadenfamilie gelebt, sind jetzt aus existenziellen Gründen in die Hauptstadt gezogen und wohnen jetzt in der Stadt - z. T. ohne Arbeit und Einkommen. Diese Familien brauchen Unterstützung und Orientierung und den Raum für Lernerfahrungen als Familie. Der leichte, spielerische und nicht problemorientierte Zugang von FuN bietet den Familien diese Lernmöglichkeiten
c) Der Väteranteil an den teilnehmenden Eltern war sehr hoch (35 – 50 Prozent). Hier deutet sich eine große Chance für neue Erfahrungen an: In der mongolischen Kultur sind Väter auf die Ernährerrolle festgelegt, d.h. sie fühlen sich für die finanzielle Absicherung der Familie zuständig. In der Kindererziehung spielen sie keine große Rolle. Die Aufgabe der Erziehung der Kinder liegt in der nomadischen Familie mit vielen Kindern in der Regel bei der Mutter und bei den ältesten Kindern, die die Erzieherrolle gegenüber ihren jüngeren Geschwistern wahrnehmen. Väter ohne Arbeit und ohne klare Erzieherrolle sind also in doppelter Weise rollenverunsichert. Hier wird ein Zusammenhang mit dem in der Mongolei sehr stark ausgeprägten Alkoholismus und der hohen Gewaltbereitschaft von Männern und der damit verbundenen gestiegenen Scheidungsrate von Paaren deutlich.
5. Zusammenfassende Bewertung
Elternarbeit und die Beteiligung von Eltern in pädagogischen Einrichtungen stehen in der Mongolei noch ganz am Anfang, sind aber dringend notwendig und wichtig. Weiter ist die Vernetzung zwischen unterschiedlichen familialen Unterstützungssystemen im Stadtteil und die Einbettung in ein umgebendes Beratungssystem so gut wie gar nicht entwickelt. Insofern kann FuN als Kooperationsprojekt einen Beitrag zur Strukturentwicklung in Ulaanbataar leisten. Hier besteht aber die Notwendigkeit, eigene Strukturen „von innen“ – also innerhalb der mongolischen Gesellschaft - zu entwickeln. Wir haben deshalb im Gespräch mit der Sozialverwaltung in Ulanbataar vorgeschlagen, ein FuN-Institut zu gründen mit Beteiligung der Universität, dem Ausbildungskolleg für ErzieherInnen , der Stadt Ulanbataar und lokalen Beratungsstellen mit dem Ziel, längerfristig eigenständige Qualifizierungen in der Mongolei durchzuführen.
Das Qualifizierungsprojekt hat deutlich gemacht, dass die FuN-Methodik und die dahinterliegende Kooperationsstruktur Energie für Neu-Entwicklungen freisetzt. Die hohe Motivation, die die TeilnehmerInnen des Projekts in diesen drei Wochen entwickelt haben und die Kraft der Kooperation haben jedenfalls in diesen Wochen für einen sehr gelungenen Start von FuN in der Mongolei gesorgt.
Es bleibt jetzt abzuwarten, wie aktiv die lokalen Organisationen und Behörden die notwendigen Strukturen weiterentwickeln. Von Seiten des praepaed-Instituts ist als fortlaufende Unterstützung während der Begleitphase angedacht, einen mail-Kontakt herzustellen, der Fragestellungen und hoffentlich hilfreiche Antworten zu den einzelnen Programmelementen und –verläufen ermöglicht.
Nach der Programmphase soll eine Nachbefragung der professionellen Teams und der teilnehmenden Familien stattfinden. Auch die Frage, wie es gelingt, den Übergang von der Programmphase in die FuN-Familienkreis-Phase zu gestalten, wird für die Bewertung des Projekts von Bedeutung sein.
Insgesamt kann nach den derzeitigen Erfahrungen von einem bis jetzt sehr erfolgreichen Projektverlauf gesprochen werden.
Erste Eindrücke | ||
Nachdem 10 Teams von Bernd Brixius in den vergangenen Wochen in FuN geschult worden sind, haben acht Teams bereits mit der praktischen Phase begonnen und Bernd Brixius konnte noch vor Ort live eine Supervision durchführen. Hier erste Bilder: |
|
|
|


